Registrieren

Facebook startet die digitale Währung Libra

Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook; Anthony Quintano Quelle: Wikimedia Glaubt man einigen Finanzexperten, wird das klassische Bankenwesen nicht mehr lange Bestand haben. Denn es haben sich schon verschiedene Konzepte in Stellung gebracht, die das veraltete System bald ablösen könnten. Eines davon sind Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum. Damit lassen sich bereits heute diverse Waren und Dienstleistungen erwerben. Auch wer im Casino online spielen will, kann eventuell sein Spielkonto mit einer Kryptowährung aufladen. Dass das Thema von Relevanz ist, zeigt sich zudem daran, dass Facebook demnächst eine eigene digitale Währung an den Start bringen wird. Libra soll ab der ersten Hälfte des Jahres 2020 verfügbar sein.

Was sind Kryptowährungen überhaupt?

Eine Kryptowährung ist ein Zahlungsmittel, das nicht von einem Staat ausgegeben und darum auch nicht von einer zentralen Stelle wie einer Nationalbank kontrolliert wird. Stattdessen ist es das Bestreben, Kryptowährungen unabhängig und transparent zu halten. Viele dieser digitalen Zahlungsmittel funktionieren auf Basis einer sogenannten Blockchain. Das ist eine Art Datenbank, in der sämtliche Transaktionen mit der Währung verzeichnet sind. Generiert wird die Währung meist dadurch, dass leistungsstarke Computer komplexe Rechenaufgaben lösen. Dieser Vorgang wird als Mining bezeichnet. Die so gewonnenen Währungseinheiten erhält der Besitzer des Computers und kann sie für seine eigenen Zwecke einsetzen. Die erste Kryptowährung, die öffentlich gehandelt wurde, war der Bitcoin, der 2009 an den Start ging. Seitdem sind mehr als 4.500 Kryptowährungen aus der Taufe gehoben worden. Facebook wird ab 2020 das erste große Unternehmen sein, das seine eigene Währung herausbringt.

Wie funktioniert Libra?

Im Gegensatz zu anderen digitalen Währungen wird Libra nicht durch Mining generiert. Stattdessen wurde die Libra Association gegründet, deren Mitglieder Geld einlegen. Momentan sind 28 Unternehmen Mitglied der Organisation, darunter PayPal und Spotify. Facebook ist mit seinem eigens gegründeten Tochterunternehmen Calibra in der Libra Association vertreten. Da die Organisation die Währung als eine Art Zentralbank verwaltet, gilt Libra nicht als Kryptowährung im eigentlichen Sinne. Allerdings soll der stabile Unterbau dafür sorgen, dass Libra von Kursschwankungen verschont bleibt, die der Bitcoin und andere digitale Währungen regelmäßig durchmachen. Um die Transaktionen zu überwachen, die mit Libra getätigt werden, wird es eine Blockchain geben.

Wie kann ich mit Libra bezahlen?

Um Libra zu verwenden, muss der Nutzer echtes Geld in die virtuelle Währung umtauschen. Diese wird dann in seiner digitalen Brieftasche – der sogenannten Wallet – abgelegt. Die Wallet ist von Facebook unabhängig, kann also auch von Personen verwendet werden, die keine Nutzer des sozialen Netzwerks sind. Libra wird jedoch auch in den Facebook Messenger und in WhatsApp integriert sein. So ist es den Usern der Dienste möglich, einander auf diesem Weg Geld zukommen zu lassen. Sie sollen auch Waren und Dienstleistungen mit Libra bezahlen können. Außerdem ist Libra als Zahlungsmittel im Rahmen von Smart Contracts vorgesehen. Dabei handelt es sich um Verträge, deren Erfüllung von digitaler Technik unterstützt wird. Möglich ist also etwa ein Zugticket, das mit der Versicherung verbunden ist, dass der Zug pünktlich ist. Sollte er Verspätung haben, wird die finanzielle Entschädigung ganz unkompliziert in die Wallet des Ticketbesitzers übertragen. Das soziale Netzwerk Facebook; FirmBee Quelle: Pixabay

Welche Vorteile hat Libra?

Die Nutzung der Währung wird Gebühren kosten, allerdings sollen sie weit unter denen liegen, die von Banken gefordert werden. Vor allem internationale Geldtransfers in Libra werden sehr attraktiv sein. Wer derzeit Geld in ein Land mit Fremdwährung überweisen möchte, muss der durchführenden Bank eine recht hohe Gebühr bezahlen. Diese fallen bei Libra weitgehend weg. Zudem wird es Facebooks Währung sehr vereinfachen, Freunden Geld zu überweisen, wenn es etwa um das Teilen einer Rechnung geht. Laut Facebook soll der größte Vorteil von Libra jedoch der sein, dass die Währung auch Menschen den Weg in die Finanzwelt ebnet, denen er bislang verwehrt blieb. Angesprochen werden sollen demnach vor allem die Einwohner von Schwellenländern. Was sich jedoch als Hindernis herausstellen könnte, ist, dass zum Erwerb von Libra ein Bankkonto nötig ist – das viele Menschen in ärmeren Ländern nicht haben.

Welche Risiken birgt Libra?

Da Libra von Einlagen in verschiedenen Währungen gedeckt ist, hängt der Wechselkurs stark von diesen ab. Sollte es zu einer Wirtschaftskrise kommen, kann es also passieren, dass Libra massiv an Wert verliert. Zudem hat Libra keinen Status als offizielle Währung, weshalb das Finanzsystem theoretisch den Umtausch in andere Währungen verweigern könnte. Aus diesem Grund ist es dringend nötig, dass Libra Akzeptanz in der Finanzwelt aufbaut und auf Dauer behält. Ansonsten kann es dazu kommen, dass die Währung über kurz oder lang wertlos wird.

Gibt es Kritikpunkte an Libra?

Die Glaubwürdigkeit von Facebook hat nicht nur in den letzten Jahren stark gelitten. Immer wieder muss sich das soziale Netzwerk der Kritik stellen, nicht sorgsam genug mit den Daten seiner Nutzer umzugehen. Dieser lädierte Ruf ist nicht gerade zuträglich für den Start von Libra – zumal es sich um eine sensible Materie wie Geld handelt. Allerdings sind an der digitalen Währung zahlreiche Unternehmen beteiligt, die durchaus bekannt für ihren seriösen Umgang mit Geld sind. Es wurde jedoch schon bekanntgegeben, dass Facebook erfährt, wenn ein Nutzer eine Transaktion mit Libra durchführt. Zwar soll das Netzwerk diese Informationen streng geheim halten und zudem darauf verzichten, sie zu Werbezwecken zu nutzen. Ob das jedoch der Wahrheit entspricht und seriös umgesetzt wird, darf angesichts der Vergangenheit von Facebook bezweifelt werden.


Neues Highlight von Just ... Peinliches bei den Video ...