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Gerhard Delling verlässt die ARD

Gerhard Delling verlässt die ARD Quelle: Navva Die Nachricht sorgte für Aufsehen: Gerhard Delling hat bei der ARD gekündigt. Damit verliert der öffentlich-rechtliche Sender einen langjährigen Sportmoderator: Delling war seit 1987 das bekannteste Gesicht der Sportschau. Ans Aufhören denkt der 59-Jährige allerdings nicht: Er ist begeistert von digitalen Inhalten, und denkt darüber nach, eine eigene Fußball-App zu entwickeln. Außerdem plant er, ein Buch zu schreiben. Finanzielle Sorgen muss der Kultmoderator sich nicht machen: Laut ARD-Quellen soll er alleine in der Zeit von 2007 bis 2010 über 2 Millionen Euro verdient haben. Stellt sich die Frage, wie er all den Spaß ersetzen wird, den er als TV-Moderator hatte. Da wäre es sicher keine schlechte Idee, sich im Online-Casino zu vergnügen. Mit ein bisschen Glück steigert er sein Vermögen dort ja nochmals. 

Gerhard Delling vs. Günther Netzer

Den Zenith seiner Popularität erreichte Delling im Gespann mit Günther Netzer. Der Moderator und der Fußballstar sollten gemeinsam Live-Übertragungen kommentieren. Für Delling war dies "Business as usual". Vermutlich hatten beide keine Ahnung, dass sie dabei waren, gemeinsam Fernsehgeschichte zu schreiben. Die beiden entwickelten sich schnell zum Kult-Duo des Sportfernsehens. Dabei lag der Auslöser weniger in ihrer sportlichen Kompetenz (die sicherlich im Übermaß vorhanden war). Es waren ihre bissigen Kommentare, die für Aufsehen sorgten. Wohlgemerkt: Nicht in Richtung der Spieler – die beiden feuerten genüßlich Wortsalven auf den anderen ab. Beispiel gefällig? Delling: „Sie haben die WM doch sicher auch genossen.“ Netzer: „Oh ja, und wenn Sie nicht dabei gewesen wären, noch viel mehr!“ Entsprechend überraschend war es für viele, als die beiden Streithähne ganz offen zugaben, im Privatleben die besten Freunde zu sein.

Das Erfolgsrezept eines Kultduos

Zu den Besonderheiten ihrer Gespräche zählte, dass die Zuschauer nie wussten, wann die nächste Granate fliegen würde. Die beiden traten stets professionell auf, und erwiesen sich als fachkundige Kommentatoren. Mit dem Unterschied, dass sie dieses Fachwissen auch gegen den anderen einsetzten. Wenn Netzer einen Vorfall eher allgemein kommentierte, ohne dabei in die Tiefe zu gehen, lieferte er damit die perfekte Zielscheibe für Delling. Unvergessen ist der Moment, als Netzer einen Spieler mit den Worten „Woran das liegt, dass er kein Tor schießt? Er trifft das Tor nicht!“ kommentierte. Damit lieferte er Delling eine geniale Steilvorlage, die dieser nutzte, um mit  „Super, und dafür haben wir Experten.“ zu kontern. Dieser machte seinen Unmut gelegentlich Luft, indem er beispielsweise auf die Frage nach seinem Horoskop antwortet, dass es im Moment nicht besonders gut sein könnte, da er ja neben Delling in der Sendung stand. Dabei blieben die beiden TV-Stars stets relativ emotionslos. Nur einmal konnte Netzer es sich nicht verkneifen, Delling als „Milchbubi“ zu bezeichnen. Die gekränkte Reaktion eines ehemaligen Star-Fußballers? Mitnichten: Beide nahmen die Seitenhiebe ihres Partners stets gelassen. Man kommentierte, schoss mit Wortpfeilen aufeinander, und ging dann wieder zum Spiel über. Zuschauer, die darauf warteten, dass einer der beiden wutentbrannt die Sendung verließ, wurden enttäuscht. Gleiches gilt für diejenigen, die hinter all dem die geschickte Arbeit eines Witzeschreibers sahen. Delling und Netzer betonten stets, dass ihre verbalen Angriffe stets spontan und natürlich wären. Eine Aussage, die durchaus glaubwürdig ist. Man kann zwar Witze schreiben, aber nicht vorhersehen, wie ein Fußballspiel verläuft. Und das Kult-Duo reagierte ja nur auf das, was gerade im Spiel geschah. Noch besser: Auf das, was der andere dazu zu sagen hatte.

Erfolg wird belohnt

Das Duo Delling/Netzer war 12 Jahre lang fester Bestandteil der Fußballübertragungen im TV. Wann immer die Nationalelf antrat: Delling und Netzer waren dabei. Im Rückblick waren sie es, die den Fußball auch für Laien wieder attraktiv machten. Und wenn ein Spiel mal langweilig verlief, war dies egal. Dann kam die Spannung eben aus den Wortgefechten der beiden Herren. So muss gute TV-Unterhaltung aussehen! Da ist es nur konsequent, dass die Streitgockeln im Jahr 2000 mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt wurden.

Ein Nachtrag:

Wer Gerhard Delling noch live erleben möchte, bevor er die ARD verlässt, muss sich beeilen: Er beendet seine Tätigkeit zum Ende der Bundesliga-Saison im Mai 2019. Ob er bis dahin noch einmal mit Günther Netzer vor die Kameras treten wird? Es wäre nicht das erste Mal, dass die beiden Herren ihr Publikum überraschen. Ihre wortreichen Begegnungen bleiben in jedem Fall unvergessen. Ihre Erfolgsgeschichte war nicht geplant, und vielleicht deshalb so attraktiv. Vielen Dank an Gerhard Delling und Günther Netzer!
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