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Warum die Deutschen ständig jammern

wütende Frau Quelle: Pixabay Bekannt ist: Das deutsche Volk gilt als ziemlich unzufrieden. Immer wenn es einen Grund gibt, sich über etwas zu beschweren, dann tun die Deutschen es auch. Objektiv betrachtet haben sie jedoch kaum einen Anlass für Missmut. Denn den meisten Deutschen geht es eigentlich gut. Auch finanziell müssen sich nur wenige Menschen im Land Sorgen machen und ihr Gehalt eventuell durch einen Nebenverdienst durch ein Online-Business oder das Spielen im Online-Casino aufbessern. Das macht das gefühlt ständige Jammern umso seltsamer.

Beschweren trotz guter Situation

Im Jahr 2009 führte British Airways eine Umfrage unter knapp 3.000 Passagieren aus neun europäischen Ländern durch. Befragt wurden sie darüber, was sie am meisten an ihren Mitreisenden stören würde. Genannt wurden Dinge wie laute Essgeräusche oder Gespräche sowie Tritte gegen die Rückenlehne des eigenen Sitzes. Unter anderem stellte sich dabei heraus, dass den deutschen Teilnehmern der Umfrage die meisten Dinge eingefallen sind, über die sie sich ärgern, nämlich im Schnitt 6,2. Zum Vergleich: Das laut Umfrage toleranteste Volk sind die Dänen, die lediglich fünf Dinge an anderen Passagieren auszusetzen hatten. Doch nicht nur beim Fliegen, sondern auch in vielen anderen Bereichen glänzen die Deutschen durch häufiges Beschweren. Das Wetter ist immer schlecht, die Regierung macht keine gute Figur, die Kollegen sind faul, der Chef inkompetent, und der liebste Fußballverein spielt seit Wochen weit unter seinen Möglichkeiten. Dabei gibt es gar nicht so viele Gründe, sich aufzuregen. Vor allem das Geld, also das wichtigste Thema für die meisten Menschen, bietet in der Regel keine Basis für Jammerei. Das zeigt auch das aktuelle Vermögensbarometer, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vor kurzem vorgestellt hat. Seit Jahren befragt der Verband regelmäßig deutsche Bürger nach ihrer finanziellen Situation. Unter anderem sollen die Teilnehmer einschätzen, ob sie mit ihrer finanziellen Lage zufrieden sind oder nicht. Das Vermögensbarometer von 2018 ergab, dass 63 Prozent der Befragten ihre finanzielle Situation als „gut“ oder „sehr gut“ einschätzen. Damit stieg der Anteil der Deutschen, die sich keine Sorgen um Geld machen müssen, im dritten Jahr hintereinander. Lag der Wert 2016 noch bei 52 Prozent, so erhöhte er sich ein Jahr später auf 59 Prozent. Zuletzt war 2009 weniger als die Hälfte aller Deutschen mit ihrer finanziellen Situation zufrieden.

Anhaltend hohe Zufriedenheit

Nicht nur in Sachen Geld herrscht in Deutschland derzeit eine gewisse Zufriedenheit vor. Zu erkennen ist dies am so genannten Glücksatlas, den die Deutsche Post alljährlich erstellt. Demzufolge schätzen die Deutschen ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn Punkten aktuell auf durchschnittlich 7,05 Punkte ein. Dieser Wert ist beinahe identisch zu dem aus dem Vorjahr. Erkennbar ist auch, dass sich die Lücke zwischen dem Osten und dem Westen Deutschlands immer weiter schließt. Im Jahr 2018 liegt die Zufriedenheit der Westdeutschen nur noch 0,2 Punkte über der der Ostdeutschen und damit auf dem geringsten Wert, seit der Glücksatlas existiert. Woran aber liegt es, dass so viele Deutsche ständig jammern, obwohl weder ihre finanzielle Lage noch ihre gesamten Lebensbedingungen einen Grund dafür liefern? Die Ursache ist wohl in der deutschen Vergangenheit zu suchen. In vielen Phasen der deutschen Geschichte befand sich eine große Anzahl der Bürger in Leibeigenschaft. Es herrschte ständige Angst vor übermächtigen Herrschern und vor dem Ausbruch von Kriegen. Und auch an denen mangelt es nicht in der deutschen Geschichte – man denke nur an die beiden Weltkriege. Derartige traumatische Veränderungen brennen sich in das kollektive Gedächtnis ein und verursachen eine ständige Furcht, die sich durch Unzufriedenheit äußert. Nicht umsonst hat der Begriff der „German Angst“ Einzug in die englische Sprache gefunden. Warum die Deutschen ständig jammern Quelle: Evening Standard

Jammern aus Solidarität

Auch wenn der jammernde Deutsche zu einem weniger schmeichelhaften Klischee und zur Zielscheibe für Spot aus dem Ausland geworden ist, muss das Beschweren nicht unbedingt nur negativ sein. So hat der Psychologe Michael Thiel zwei positive Aspekte am Jammern herausgearbeitet. Zu einen hilft es, sich von unnützem Ballast zu befreien, wenn man seinem Unmut über die unterschiedlichsten Dinge Luft macht. Wer mal ordentlich über etwas geschimpft hat, das er nicht beeinflussen kann, der weiß, dass es durchaus eine reinigende Wirkung hat, auch wenn es nichts bringt. Zum anderen kann das Jammern einen gewissen Zusammenhalt zwischen Menschen schaffen. Man denke nur an ältere Menschen im Warteraum einer Arztpraxis, die sich gemeinsam über die lange Wartezeit und ihre Leiden beschweren. Ihnen geht es besser, wenn sie wissen, dass sie Leidensgenossen haben. Allerdings warnt Thiel auch davor, zu viel zu jammern. Das kann nämlich sogar zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. So fördert ein pessimistisches Grundgefühl unter anderem Bluthochdruck und das Risiko einer Depression.


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